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Der Trappenfänger

In den wirtschaftlich schlechten Nachkriegsjahren, wo es überall an Arbeit mangelte, suchte mancher arbeitslose Städter sein Glück in der Landwirtschaft. So kamen öfter Wiener nach Haringsee und arbeiteten in Hof, Stall und Feld. Oft taten sie überheblich, denn sie waren doch gescheiter als die «Gscherten» (Geschorenen). Einer redete besonders groß daher, sodaß die Dorfburschen schon lange einen «Gachen» (Zorn) auf ihn hatten.

Zu dieser Zeit gab es im Marchfeld auf den Feldern die leider sehr selten gewordenen Trappen oft zu sehen. Auch der Städter sah oft Trappen und wollte zu gerne einmal eine fangen. Doch wenn er sich anschlich, flogen die großen Vögel behäbig davon.

Abends, nach der Arbeit, standen oft die Dorfburschen beisammen und unterhielten sich auch mit dem Städter. "Ja", sagte ein witziger Dorfbursch zum Städter, "Trappen kannst du bei Tag nicht fangen. Das mußt du in der Nacht tun". "Wie soll ich das machen?" fragte er. "Das ist eine einfache Sache. Nur mußt du Ausdauer haben. Da nimmst du dir einen Omkorb (großer Korb für Spreu). Dazu brauchst du eine Laterne mit einer Kerze. Mit dem Omkorb und der Laterne gehst du auf das Feld, wo du die Trappen bei Tag gesehen hast. Bei Nacht kommen sie wieder dorthin. Dort stellst du den Omkorb auf, zündest die Laterne an und stellst sie in den Korb. Dann gehst du ein Stück vom Korb weg und wartest ganz still. Du wirst sehen, wenn du Geduld hast, fängst du bestimmt was. Die Trappen setzen sich gerne in den Korb."

Nun marschierte der Tappenfänger auch tatsächlich abends mit dem Omkorb auf dem Rücken und mit der Laterne in der Hand aufs Kapellenfeld, wo er die Trappen gesehen hatte. Ein Stück des Weges begleiteten die Burschen den Tappenfänger. Bald kehrten sie um und lachten heimlich nicht wenig über den Trappenfänger. Über seinen Erfolg hat er nie berichtet. Der Trappenfänger wurde zum Gespött. Aus ihm wurde später ein ruhiger Dorfbewohner, der einsah, daß er nicht mehr sei als die oft schlauen Landbewohner.

Der Trappenfänger geht auf Fang
Der Trappenfänger geht auf Fang aus
(Zeichnung von OSR Alois Marcher)

Quelle: Heimatbuch Haringsee, 1984

Zuletzt bearbeitet am 13.05.2017

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