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Schicksale unserer Heimat

Karl der Große gründete um das Jahr 800 n. Chr. die Ostmark als Bollwerk gegen den Osten. Er brachte bayrische, fränkische und sächsische Siedler ins Land. Besonders unser Marchfeldboden, an der Grenze gegen Osten gelegen, war von zahlreichen Feinden oft in Kriegsnot und Schrecken versetzt worden. Kriege, Überschwemmungen, Heuschrecken, Erdbeben, Brände, Krankheiten und andere Naturkatastrophen brachten die geplagten Bewohner um ihr Hab und Gut.

Im 9. Jahrhundert fielen die Awaren in unser Land ein. 814 starb Karl der Große. Ein Streit zwischen seinen Söhnen machte den Ungarn das Eindringen in die Ostmark möglich. Nun durchzogen die raublustigen Ungarn jährlich unser Land.

Der deutsche Kaiser Otto der Große vernichtete in der Schlacht auf dem Lechfelde 955 n. Chr. die Macht der Ungarn. Neue deutsche Siedler rodeten erneut unseren Heimatboden. Im Jahre 976 n. Chr. übergab Kaiser Otto II. dem Babenberger Leopold dem Erlauchten ein verwüstetes Land. 1246, als die Babenberger mit dem Tod Friedrich des Streitbaren ausstarben,war das Land fruchtbar. Es gab blühende Dörfer und Städte. Für die Bewohner gab es feste Orte in Zeiten der Not (Burgen, Schlösser, Klöster).

Häufige Regengüsse ließen im Jahre 1275 dreimal Donau und March aus den Ufern treten. Sand und Schlamm bedeckten die Felder und Wiesen. Ganze Dörfer fielen den Fluten zum Opfer.

1278 wurde Graf Rudolf v. Habsburg deutscher Kaiser. Der mächtige Böhmenkönig Ottokar wollte den neuen Kaiser nicht anerkennen. Die Schlacht bei Dürnkrut 1278 auf unserem Heimatboden kostete den König von Böhmen Schlacht und Leben.

Kaum waren die letzten Kriegsschäden überstanden, kamen neue Schicksalsschläge über unser Land. Große Heuschreckenschwärme aus den östlichen Ländern brachen 1338 bei uns ein. Sie zogen im Juli und August durch und fraßen alles Grün bis auf den letzten Halm ab. Drei Jahre hintereinander kamen sie.

Im 15. Jhdt. trieben verschiedene Raubritter im Marchfeld durch viele Iahre ihr Unwesen, so Gerhard Fronauer, sein Bruder Konrad, Hans Frodnacher, Psenko von Teyritz u. a.

Ungarische Horden plünderten die Kaufleute auf der Salzstraße (Wien - Deutsch Wagram - Schönkirchen - Holitsch - Galizien) aus und verschleppten sie. Dazu fielen ungarische Räuber, von Herrn v. Schafereck angeführt, ein, plünderten und brandschatzten alle Ortschaften von Marchegg bis Wien. Hinko von Orth führte ein Schreckensregiment. Er wurde von den Lasseern bei einem Überfall erschlagen. Zur gleichen Zeit hausten mährische Raubritter im Marchfeld.

Der Strauchdieb Leonhard der Arberger überfiel vom Schloß Niederweiden aus das Marchfeld. Ritter, Knechte und Knappen im Marchfeld waren Diebe und Verräter, erpreßten Abgaben und Steuern, fielen über Dorfleute her und plünderten und brandschatzten, statt gegen die Banden zu schützen.

Während des Bruderzwistes im Hause Habsburg im 15. Ihdt. zwischen Friedrich lll. und Albrecht VI. fiel der Böhmenkönig Podiebrad bei uns ein und drang bis Wien vor.

1477 fiel der grausame König der Ungarn Matthias Corvinus in unser Land ein. In einem Monat zerstörte er 72 niederösterreichische Ortschaften und Schlösser, darunter Rutzendorf und GroB-Enzersdorf. Er starb 1490 in Wien. 120 Ortschaften gingen im 13. bis 15. Jhdt. im Viertel unter dem Manhartsberg zugrunde, davon 39 im Bezirk Groß-Enzersdorf.

Das von den Ungarn verschont gebliebene Land verwüsteten die wilden Türken, die 1529 mit 300.000 Mann und 300 Geschützen ins Land kamen.

Das 17. Jhdt. brachte die Glaubenskriege (Protestanten - Katholiken). 1605 drangen aufständische Horden unter dem Fürsten Bocskay aus Siebenbürgen bis Wolkersdorf ein. Es waren ungarische Rebellen «Pollakhen» genannt. Sie drangen bis Wien vor.

Auch eigene Truppen gingen mit den Bewohnern roh um. Die aufrührerischen Böhmen zogen 1619 unter Führung des Grafen Thurn gegen Wien. 1620 machten die Mährer, geführt vom Ungarn Bethlen Gabor, einen gewaltsamen Einfall in unser Land.

Im Zuge der Streitigkeiten zwischen Katholiken und Protestanten im Verlauf des 30jährigen Krieges (1618-1648) kamen die grausamen Schweden in unser geplagtes Land. Unter ihrem Anführer Torstenson plünderten und mordeten sie furchtbar. Nach dem Abzug der Schweden brach die Pest aus. Erst der Westfälische Friede brachte 1648 Ruhe.

Kaum war die entsetzliche Pest überwunden, kamen 1683 die Türken unter Kara Mustapha erneut ins Land. Die Eroberung Wiens gelang ihnen nicht. Viele Dörfer wurden beim Rückzug von den Türken angezündet.

1703 bis 1708 fielen die Kuruzen (aufständische ungarische Bauern) im unteren Marchfeld ein. Sie raubten Vieh, steckten Häuser in Brand und führten Menschen weg. 1708 brannten sie Haringsee vollkommen nieder. Pfarrer Amandus Zimmermann aus Lassee schreibt: «Nachdem der Feind Lassee verlassen in selber stund hat er noch verbrent die Dürffer Haringsee und Bratsee.» Die Pfarrchronik Haringsee berichtet: «Der Pfarrer Lukas Plemenschitz fand am 12. Dezember 1708 bei seiner Ankunft ein abgebranntes Dorf und einen ruinierten Pfarrhof.»

1713 wütete erneut die Pest bei uns (von Wien eingeschleppt).

1714 bis 1721 bildeten Zigeunerhorden und Vagabunden eine schwere Plage für die Bewohner unserer Heimat. Erst 1721 ordnete Kaiser Karl VI. ein militärisches Eingreifen gegen dieses Unwesen an.

1805 kamen die Franzosen unter Kaiser Napoleon I. nach Wien. Napoleon wird in der Schlacht bei Aspern von den Österreichern unter Führung Erzherzog Karls besiegt (21. und 22. Mai 1809). Leider konnte Napoleon in der Schlacht bei Deutsch-Wagram (5. und 6. Iuli 1809) trotz heldenhaftem Kampf der Österreicher Sieger bleiben.

Das Sturmjahr 1848 drang aus der Stadt bis in die stillen Dörfer.

1866 kommen die Preußen und schleppen die Cholera ein. Der Rußbach war Demarkationslinie (Haringsee Österreicher - Lassee Preußen).

1866 waren am 23. und 24. Mai starke Fröste, die alle Feldfrüchte vernichteten. Auf einer alten Kastentür der Frau Katharina Pollak war aufgeschrieben:
«Die Fröste des Iahres 1866 waren so stark, daß die Kartoffeln in der Erde erfroren sind. Das Getreide hatte schon Ähren. Manche Bauern streiften mit einer Wäscheleine den Reif von den Ähren. Diese Bauern ernteten nichts. Andere, die nichts taten, ernteten den Samen.»

Mit der Ermordung des Thronfolgers Franz Ferdinand begann der 1. Weltkrieg. Die Männer mußten an die Kriegsfront. Die Zurückgebliebenen mußten mit alten Leuten und jungen Frauen die Feldarbeiten verrichten. Vergnügungen wie Tanz, Bälle und Kirtage wurden eingestellt. Lebensmittel wurden knapp. Lebensmittelkarten wurden eingeführt. Metallgeld wurde durch Banknoten, Lederschuhe durch Holzschuhe ersetzt u.s.w. Die Glocken rückten zum Kriegsdienst ein. Die Sommerzeit wurde eingeführt. Die Preise stiegen. Verschiedene Sammlungen (Lebensmittel, Metall, Wäsche, Tee u.s.w.) wurden durchgeführt. Kriegsanleihen wurden gezeichnet.

Der Krieg war verloren. Die Monarchie Österreich-Ungarn zerfiel. Die Republik Österreich wurde ausgerufen. Die schweren Nachkriegsjahre folgten. Die zusammengebrochene Wirtschaft mußte aufgebaut werden. Inflation brachte manche um ihr Vermögen. Die Arbeitslosigkeit nahm zu.

Der Anschluß Österreichs an Großdeutschland wurde von Adolf Hitler am 13. März 1938 vollzogen. Am 1. September 1939 brach der 2. Weltkrieg aus. Er war noch blutiger als der 1. Weltkrieg. Gegen Ende des Krieges kamen die Russen in unser Marchfeld. Vieles Leid kam über unsere schöne Heimat.

1955 brachte uns der Staatsvertrag endlich unsere ersehnte Freiheit wieder.

Quelle: Heimatbuch Haringsee, 1984

Zuletzt bearbeitet am 13.05.2017

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