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Die Getreideernte einst und jetzt

Die Getreideernte war einst eine der mühsamsten und schwersten Arbeiten in der Landwirtschaft. Bis zum Jahre 1860 war das Ernten des Getreides mit der Sichel üblich. 5 bis 6 fleißige Leute ernteten an einem Tag ein Joch Getreide. Später konnte ein Mäher mit der Sense und einer Aufnehmerin im Tag 1 Joch fertigbringen.

Zuerst wurde das Getreide gemäht, mit der Sichel aufgenommen, auf Strohbänder gelegt und zu Garben gebunden. Aus dem Wintergetreide (Roggen und Weizen) konnte man gleich Strohbänder knüpfen. Im Winter wurden des öfteren Bänder aus Schabstroh, das sind ausgedroschene Roggengarben aus der letzten Ernte, gemacht. Für Gerste und Hafer verwendete man Hanfschnüre, die «Garbenbänder» genannt wurden, und an einem Ende ein Holzplättchen zum leichteren Binden hatten. Die mit Strohbändern gemachten Garben wurden geknebelt und dadurch fest zusammengehalten. Der Knebel war ein ca. 50 cm langer, an einem Ende gespitzter Holzstab mit ca. 3 cm Durchmesser, mit dem die Knoten gemacht wurden.

Die Garben wurden zu Kreuzmandeln geschöbert, meist Mandeln zu 13 Garben, seltener zu 17 Garben. Manchmal, um gegen den Wind zu schützen, wurden auch vier Garben in die Ecke der Mandeln gelehnt. Nasse Garben wurden manchmal zusammengelehnt (aufgestellt), um schneller trocken zu werden.

Nebenan ausgeführte Zeichnung, die von meinem Schulfreund Oberschulrat Alois Marcher aus Oberweiden stammt, stellt sehr anschaulich die Mandeln mit 13 Garben dar (4 mal 3 Garben kreuzweise gelegt, siehe rechts oben, darauf kam in der Mitte der Reiter, der wegen des Windes festgebunden wurde, was an der großen Mandel im Vordergrund sehr deutlich zu sehen ist). Links im Mittelgrund sieht man die Leute beim Garbenzusammentragen und beim Schöbern der Mandel. Rechts im Mittelgrund wird ein schwerer Erntewagen beladen. Mit einer langstieligen Gabel («Roachgobi») - zum Reichen der Garben auf den hohen Erntewagen - werden die Garben aufgeladen.

"Die Getreideernte im Marchfeld um 1930"
Getreideernte im Marchfeld um 1930 (Zeichnung von OSR Alois Marcher)

In früheren Zeiten, als noch die Zehentpflicht war, war es so, daß der beauftragte Zehentnehmer eines von den ersten 9 Mandeln oder einen von den Zehnern bezeichnete. Von dieser Mandel an wurde jedes 10. Mandel mit einem Zeichen versehen («ausgesteckt») und in die herrschaftliche Scheune geführt.

Das Getreide konnte nach dem Mähen in den Mandeln einige Wochen trocknen und nachreifen. Die Garben wurden bei trockenem Wetter mit Leiterwagen in die Scheune gefahren und dort gelagert. Nach dem Einführen wurde das Getreide mit Dreschflegeln auf der Tenne ausgedroschen. Das Dreschen war auch oft eine Winterarbeit, wenn der Betrieb größer war. Das Stroh wurde mit Holzgabeln ausgeschüttelt und weggetragen. Der Rest wurde zusammengekehrt. Die Windmühle trennte die Spreu von den Körnern. Später drosch man mit der Göppelmaschine mit Pferdekraft.

Als nach Ende der Dreifelderwirtschaft die Anbauflächen an Getreide wesentlich zunahmen, nahmen sich die größeren Bauern Schnitter auf, die das Getreide mähten, zu Garben banden und schöberten. Die Schnitter waren in unserem Gebiet meist Slowaken aus der Slowakei (Tschechoslowakei). Sie kamen zu Beginn der Ernte aus ihrem Heimatland. Sie sangen nicht selten ihre slowakischen Lieder, wenn sie frühmorgens mit einem Streifwagen (Plateauwagen) auf das Feld gefahren wurden. Im Frühjahr und Herbst halfen sie bei den Zuckerrübenarbeiten, die alle händisch bewerkstelligt werden mußten.

Rübenernte
© W. Taibl, Fuchsenbigl

Rübenernte

Durch die Vergrößerung der Anbauflächen war oft die Getreidernte in der Scheune nicht mehr unterzubringen. Die Garben wurden zu Schober im Freien zusammengeführt und dann gedroschen. War die Witterung trocken, so wurden die Garben gleich vom Leiterwagen auf die Dreschmaschine gereicht und gedroschen. 4 bis 6 Wochen summten von 4 Uhr früh bis in die sinkende Nacht 14 Dreschmaschinen vor dem 2. Weltkrieg in Haringsee, die meist mit Dampf­ma­schi­nen, später auch mit Benzinmotoren und Dieseltraktoren betrieben wurden.

Dampf-Dreschmaschine
© W. Taibl, Fuchsenbigl

Dampfbetriebene Dreschmaschine in Fuchsenbigl

Um 1920 wurden die ersten Mähmaschinen, von zwei Pferden gezogen, in Betrieb genommen, die allerdings nur lose Haufen Getreide ablegten. Nach 1930 kamen die Bindemäher zum Einsatz. Um 1950 kamen die Mähdrescher, die von einem Traktor gezogen wurden, in unser Gebiet. Der erste selbstfahrende Mähdrescher wurde im Jahre 1952 in Haringsee eingesetzt. Die 4 Landwirte Lorenz Poitschek, Adolf Fitz, Josef Zörnpfenning und Leopold Wogowitsch waren die Besitzer dieser Maschine.

Heute (1977) ernten 41 selbstfahrende Mähdrescher und 7 gezogene Mähdrescher das gesamte Getreide der Großgemeinde; sogar der Mais wird mit Spezialmaschinen geerntet. Die Pferde wurden gänzlich durch die Traktoren verdrängt. Die Traktoren nahmen nicht nur an Zahl, sondern auch an Stärke (PS) zu.

Sämaschine
© W. Taibl, Fuchsenbigl

Eine der ersten selbstfahrenden Sämaschinen, Fuchsenbigl 1959
Quelle: Heimatbuch Haringsee, 1984
Historische Fotos aus dem Privatarchiv W. Taibl, Fuchsenbigl

Zuletzt bearbeitet am 11.06.2017

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